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Management, Unternehmensführung

Nachhaltigkeitsmanagement: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Schlagwort – sie kann Unternehmen resilienter, effizienter und zukunftsfähiger machen. Doch wie setzt man Nachhaltigkeit in der Praxis um? Welche Maßnahmen gibt es, und welche Stolpersteine gilt es zu vermeiden? Gemeinsam mit MMag. Sigrid Koloo, Trainerin und Lehrgangsleiterin im neuen WIFI Steiermark-Lehrgang für Nachhaltigkeitsmanagement, geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

„Nachhaltigkeit“ wird in der heutigen Unternehmenslandschaft oft inflationär verwendet. Und nicht selten bleibt es nur bei einem Etikett, das vielleicht eine „grüne“ Produktlinie oder ressourcensparende Maßnahmen umfasst, aber sonst kein weiteres Ziel verfolgt. Doch das greift zu kurz, ist Unternehmensberaterin und Nachhaltigkeitsexpertin MMag. Sigrid Koloo überzeugt: „Nachhaltigkeit ist keine reine Imagepflege – sie ist Verantwortung und Chance zugleich. Es geht darum, den Kern der Organisation neu zu denken und eine langfristige Strategie zu entwickeln, die wirtschaftliches Handeln untrennbar mit ökologischer und sozialer Wirkung verknüpft.“ Doch wie lassen sich nachhaltige Ziele konkret im eigenen Betrieb umsetzen? Nachhaltigkeitsmanagement kann hier die Antwort sein – und die wichtigsten Fragen dazu klären wir in diesem Beitrag.

Was ist Nachhaltigkeitsmanagement?

Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Es geht nicht um Einzelmaßnahmen, sondern um einen ganzheitlichen, strategischen Ansatz, der Nachhaltigkeit langfristig in die DNA des Unternehmens einbettet. Das Ziel: Negative Auswirkungen minimieren und positive Effekte maximieren – für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

„Nachhaltigkeit war lange ein ‚Nice-to-have‘. Heute ist sie eine Notwendigkeit. Die Klimakrise, Ressourcenknappheit und soziale Ungleichheit zwingen Unternehmen zum Umdenken“, erklärt Sigrid Koloo. Die gute Nachricht: Auf lange Sicht wird sich Nachhaltigkeitsmanagement genau deshalb rechnen – ökologisch, gesellschaftlich und ökonomisch.

Was beinhaltet Nachhaltigkeitsmanagement?

Viele denken bei Nachhaltigkeit ausschließlich an Umwelt- oder Klimaschutz. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Nachhaltigkeitsmanagement betrachtet unternehmerisches Handeln ganzheitlich, um Verantwortung für die Auswirkungen des eigenen Tuns zu übernehmen und diese aktiv zu gestalten.
Traditionell wird Nachhaltigkeit oft in drei Dimensionen gedacht:

Ökologische Dimension
Ressourcen schützen, Emissionen senken, Kreisläufe schaffen

Soziale Dimension
Menschen fair behandeln, Diversität stärken, sichere und inklusive Arbeitsplätze schaffen

Wirtschaftliche Dimension
Langfristig und nachhaltig wirtschaften – ohne Umwelt oder Menschen auszubeuten

In der Praxis sind diese Bereiche nicht voneinander zu trennen. Echte Nachhaltigkeit bedeutet, sie als Bestandteil jeder unternehmerischen Entscheidung, jeder Strategie und jedes Produkts zu denken. Ein wirksames Nachhaltigkeitsmanagement zielt deshalb darauf ab, Widersprüche zu erkennen und Synergien zu nutzen, statt Kompromisse zwischen den drei Bereichen zu suchen.

Welche Herausforderungen gibt es?

Der wohl größte Stolperstein im Nachhaltigkeitsmanagement ist die Komplexität. „Nachhaltigkeit ist kein Standardpaket. Für jeden Betrieb bedeutet sie etwas anderes – abhängig von Branche, Geschäftsmodell, Risiken und Wirkungsbereich. Statt Checklisten braucht es ganzheitliche, kontextbezogene Strategien“, betont Sigrid Koloo.

Was für einen Produktionsbetrieb die Auseinandersetzung mit Lieferketten oder Ressourceneinsatz ist, kann für eine soziale Einrichtung ganz andere Fragen aufwerfen – etwa faire Teilhabe oder Barrierefreiheit. Doch oft bleiben wichtige Handlungsfelder unsichtbar:

„Wenn es in meiner Produktionshalle im Sommer immer heißer wird oder meine Einrichtung von Hochwasser und Extremwetterereignissen bedroht ist, ist das ebenfalls ein Teil des Nachhaltigkeitsmanagements“, erklärt Sigrid Koloo, „Unternehmen müssen lernen, in Wirkungskreisläufen zu denken, und sich bewusst machen, dass Entscheidungen von heute die Realität von morgen prägen. Unsere Welt ist zunehmend von Klimakrise, Ressourcenknappheit und gesellschaftlicher Polarisierung geprägt. Verantwortungsvolles Handeln wird darum zur Voraussetzung für Stabilität und Zukunftsfähigkeit. Das erfordert Investitionen und Innovation. Aber: Es lohnt sich.“

Weitere Herausforderungen liegen im Dialog mit Anspruchsgruppen, der Verfügbarkeit belastbarer Daten, der Einbindung aller Abteilungen – und nicht zuletzt im Umgang mit neuen rechtlichen Anforderungen wie etwa der CSRD.

Wie profitieren Unternehmen davon, wenn Nachhaltigkeit für sie mehr als nur ein Schlagwort ist?

Kurz gesagt: Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, sichert die Zukunft – die eigene und die des Unternehmens.
  • Effizienter Ressourceneinsatz spart Kosten und erhöht die Resilienz, z.B. durch robuste, nachhaltige Lieferketten.
  • Transparente Kommunikation und klare Werte schaffen Vertrauen bei Kund:innen und Geschäftspartner:innen.
  • Glaubwürdige Nachhaltigkeit stärkt das Employer Branding – und macht Unternehmen attraktiver für qualifizierte, engagierte Mitarbeitende.
Nachhaltigkeit ist also keine moralische Kür, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer sie strategisch verankert, verschafft sich langfristig einen echten Wettbewerbsvorteil.
„In Zeiten multipler Krisen – vom Klimawandel bis zur Erosion demokratischer Werte – braucht es Unternehmen, die nicht nur reagieren, sondern aktiv Verantwortung übernehmen. Nachhaltigkeit ist heute kein Zusatznutzen, sondern ein Beitrag zu Resilienz, Zusammenhalt und echter Zukunftsfähigkeit.“

Kann man Nachhaltigkeitsmanagement auch lernen?

Die Antwort: Ja – am WIFI Steiermark! Der Lehrgang, unter anderem konzipiert von Sigrid Koloo, widmet sich dem Thema Nachhaltigkeitsmanagement und versucht, seine Komplexität greifbar zu machen. Und zwar branchen- und unternehmensübergreifend. Der Lehrgang richtet sich an Führungskräfte, Nachhaltigkeitsmanager:innen sowie Fachkräfte aus Produktion, Beratung, Controlling oder Marketing.

„Die Teilnehmenden kommen aus verschiedensten Bereichen – von Pharma bis Beratung. Genau diese Vielfalt macht den Kurs so wertvoll: Sie bringt verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Fragestellungen zusammen“, so Koloo.

Auch die Trainer:innen verbinden fundiertes Fachwissen mit Praxiserfahrung - und vermitteln ein ganzheitliches Verständnis davon, was Nachhaltigkeitsmanagement heute bedeutet.  Ziel ist es, Zusammenhänge zu erkennen und erste Schritte im eigenen Unternehmen zu setzen. Den Abschluss bildet die Zertifizierungsprüfung zum „Certified Sustainability Expert“, die die Teilnehmenden international als kompetente:n Nachhaltigkeitsexpert:in auszeichnet.

Sigrid Koloo empfiehlt den Lehrgang allen, die bereits erste Berührungspunkte mit dem Thema hatten, aber auch jenen, die „offen sind, entdecken wollen, was Nachhaltigkeit wirklich heißt und in ihrem Unternehmen aktiv etwas bewegen wollen.“
„Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche – ökologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Die Art, wie wir wirtschaften, konsumieren und führen, steht auf dem Prüfstand.
Nachhaltigkeitsmanagement ist kein Luxus. Es ist eine Antwort auf die drängenden Fragen unserer Zeit und eine Einladung, Zukunft aktiv mitzugestalten.“
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